Orchideen

Orchideen in der Rekultivierung


Bienenragwurz (Ophrys apifera)

Immer wieder treten in rekultivierten Landschaften Arten auf, die in der Umgebung extrem selten sind oder gar nicht oder nicht mehr vorkommen. Häufig sind dies Arten nährstoffarmer, offener Standorte – sowohl bei Tieren als auch bei Pflanzen. Eine Pflanzengruppe ist – wegen ihrer oftmals attraktiven Blüten – für viele Naturliebhaber besonders interessant: die Orchideen. Vielleicht weil ihr Hauptverbreitungsgebiet die Tropen sind, wo sie in phantastischer Formenfülle vorkommen, umweht sie ein exotischer Hauch. Umso überraschender ist es, wenn man in rekultivierten Landschaften auf sie stößt.

Neben Waldbewohnern sind eine große Zahl heimischer Orchideen typische Kulturfolger: einerseits auf den trockenen, warmen Kalkmagerrasen und andererseits in Niedermooren auf Feuchtwiesen. Erfreulich ist ihr artenreiches Auftreten (bisher 16 Arten) in der Rekultivierung. In den Siebzigern war vor allem die Sump-Stendelwurz (Epipactis palustris) eine viel beachtete Sensation; seit etwa zehn Jahren sind es Bienenragwurz (Ophrys apifera) und Pyramiden-Spitzorchis (Anacamptis pyramidalis). Die Pyramiden-Spitzorchis gilt in NRW als vom Aussterben bedroht. Zuletzt waren nur noch drei Vorkommen auf Kalkmagerrasen der Eifel bekannt. Nun tritt sie im gesamten rheinischen Braunkohlenrevier – an den "unmöglichsten" Standorten – spontan auf; dasselbe kann für die in NRW stark gefährdete Bienenragwurz berichtet werden. Mehr noch: sie tritt sogar großflächig in sehr individuenstarken Populationen auf.

Dabei besiedeln diese beiden Arten der Kalkmagerrasen vollkommen untypische Standorte: lichte Jungwälder und Gebüsche auf kalkarmen Böden ebenso wie im Löß. Welche Standortfaktoren dafür verantwortlich sind, ist – trotz wissenschaftlicher Untersuchungen – bis jetzt noch unklar. Möglich ist, dass sie den konkurrenzarmen Raum, in den sich neu bildenden Pflanzengemeinschaften nutzen. Damit ist natürlich auch unklar wie lange sie in dieser Vegetation ihren Lebensraum behalten werden. Möglicherweise werden sie – ebenso wie es der eingangs erwähnten Sumpfstendelwurz erging – wieder verschwinden. Aber auch dann werden Orchideen in der Rekultivierung leben, nämlich die Waldarten: allen voran Waldvögelein (Cephalanthera), Großes Zweiblatt (Listera ovata) und Nestwurz (Neottia nidus-avis) die in den rekultivierten Wäldern große Vorkommen haben.


Helmknabenkraut (Orchis militaris) Foto: N. Wolf

Im Moment sind sicherlich die auffälligsten Besonderheiten unter den Orchideen des Rheinischen Braunkohlenreviers die Nachweise von Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) und Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea). Letztere wurde schon einmal in der Rekultivierung nachgewiesen: zwei Exemplare im Bereich der Tagesanlagen des Tgb. Zukunft-West. Die Mückenhändelwurz ist ansonsten eine Art der Eifel und des Wesergebierges. Im Rheinischen Braunkohlenrevier kommt sie nach dem Verbreitungsatlas des AHO (Arbeitskreis Heimischer Orchideen) lediglich in zwei Messtischblatt-Quadranten im Raum Frechen und Kerpen vor. Ähnliches gilt auch für das Helm-Knabenkraut. Insofern sind die neuen Fundpunkte für diese beiden Arten im Raum Grevenbroich sicherlich eine Besonderheit. Interessanterweise liegen für beide Arten bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts Nachweise westlich von Grevenbroich vor. Vor allem die Mückenhändelwurz gilt als Wechselfeuchtezeiger der vorwiegend in feuchten Wiesengesellschaften auftritt

Art  dt. Name 
Anacamptis pyramidalis  Pyramiden-Spitzorchis 
Cephalanthera damasonium  Weißes Waldvöglein 
Cephalanthera rubra  Rotes Waldvöglein 
Dactylorhiza maculata  Geflecktes Knabenkraut 
Dactylorhiza majalis  Breitblättriges Knabenkraut 
Dactylorhiza praetermissa  Übersehenes Knabenkraut 
Epipactis atrorubens cf.  Braunrote Stendelwurz 
Epipactis helleborine  Breitblättrige Stendelwurz 
Epipactis palustris  Sumpf Stendelwurz 
Gymnadenia conopsea  Mücken-Händelwurz  
Listera ovata  Großes Zweiblatt 
Neottia nidus-avis  Nestwurz 
Ophrys apifera  Bienen-Ragwurz 
Orchis militaris  Helm-Knabenkraut 
Platanthera bifolia s.I.  Weiße Waldhyazinthe i.w.S. 
Platanthera chlorantha  Grünliche Waldhyazinthe 
Hybriden:   
Dactylorhiza maculata x Dactylorhiza praetermissa    
Dactylorhiza maculata x Dactylorhiza majalis