Einführung

Rekultivierung im Rheinischen Revier
Die Forschungsstelle Rekultivierung

Rekultivierung im Rheinischen Revier


Von der RWE Power AG werden im Rheinland jährlich 100 Mio t Braunkohle gefördert und zu 85% verstromt: das sind 15% der öffentlichen Stromversorgung im Bundesgebiet und 53% im Land NRW. Die tertiäre Braunkohle wird von tertiärem und quartärem Kies, Sand und Ton überlagert und kann nur im Tagebau gewonnen werden.
Das Ziel der Wiedernutzbarmachung oder Rekultivierung der ausgekohlten Tagebaue ist die Herstellung eines nachhaltig stabilen, leistungsfähigen Naturhaushaltes - neuer Lebensraum für Mensch und Natur. Rekultivierung fasst alles zusammen, was zur Herstellung dieser neuen Landschaft nötig ist: Planung, Auswahl geeigneter Substrate für die neuen Böden, landwirtschaftliche Bewirtschaftung, Aufforstungen, natürliche Entwicklungen und vieles mehr. Seit Beginn des 20. Jh. wurden rund 8.000 ha forstlich und 10.000 ha landwirtschaftlich wieder nutzbar gemacht
Der Bergbau verändert die Landschaft in zwei Punkten grundlegend: Relief und Boden. Diese beiden Faktoren bestimmen zusammen mit dem regionalen Klima das standörtliche Potenzial. Das Relief wird zu Teilen durch die Tagebautechnik und die Lagerstätte vorgegeben, ist aber überwiegend Gegenstand einer gezielten Planung und Gestaltung. Dabei ist ein Ziel, in dieser Bördelandschaft - wo traditionell der Ackerbau die Kulturlandschaft prägt - die wiedergewinnbare landwirtschaftliche Nutzfläche zu optimieren. Gleichzeitig führt die Landschaftsneugestaltung zu einer Erhöhung des Waldanteils: in die landwirtschaftlichen Fluren sind Hecken, Feldgehölze, breite Talungen, Böschungen und andere gliedernde Grünzüge eingebettet.


Anno 1928: Rekultivierung hat im Rheinland ein lange Tradition, wie dieses Bild aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zeigt.

Als Bodensubstrat wird für die landwirtschaftliche Wiedernutzbarmachung der gewachsene Kulturboden aus Löss und für die forstliche ein Gemisch aus diesem Löss oder Lösslehm mit Kies und Sand - sogenannter Forstkies - eingesetzt; andere Bodenarten werden kleinflächig zur Erhöhung der standörtlichen Vielfalt verwendet. Bei der Aufbringung und anschließenden Bewirtschaftung ist der Schutz des Bodens vor Verdichtungen vorrangig.
Die landwirtschaftlichen Flächen werden in einer mindestens siebenjährigen Zwischenbewirtschaftung für die Rückgabe an vom Bergbau betroffene Landwirte vorbereitet. Zunächst wird für drei Jahre Luzerne angebaut, darauf folgt überwiegend Wintergetreide. In dieser Zeit können durch Luftbildüberwachung Fehlstellen gut erkannt und behoben werden. Nach der Rückgabe wird das Land typischerweise mit der rheinischen Fruchtfolge bestellt: ein Drittel Zuckerrübe und zwei Drittel Getreide - teilweise aber auch Kartoffeln und verschiedene Gemüse. Die erreichbaren Erträge liegen auf dem Niveau der natürlich gewachsenen Standorte der Lössgebiete und der Kölner Bucht: Insofern kann die Landwirtschaft als hochertraglich bezeichnet werden. Damit dies gelingt, werden während der Zwischenbewirtschaftung zum Bodenschutz Breitreifen und schonende Pflugverfahren bis hin zu Direktsaatverfahren eingesetzt.


Lößverkippung: Moderne Verkippung landwirtschaftlicher Flächen im Tagebau Fortuna-Garsdorf. Auf einem genau nivellierten Grobplanum wird als letzte Schicht 2 m Löss aufgetragen und schonend einplaniert. Unmittelbar danach erfolgt die erste Einsaat mit Luzerne.

Die Aufforstung erfolgt zu 80% mit heimischen Laubhölzern (Buche, Eiche) und den gebietstypischen Mischbaumarten; rund 15% nehmen Douglasie, Kiefer, Lärche und Roteiche als nicht standortheimische Wirtschaftsbaumarten ein; der Rest sind Wiesen und Sukzessionsflächen. Die Pflanzung erfolgt von Hand mit rund 4.500 Stk/ha in Gruppenmischung. Zur Bodenpflege erfolgt eine reihenweise Untersaat mit Lupine. Als Schirmbaumarten werden Schwarzpappelhybride und Roterle gepflanzt. Vor allem auf locker gekipptem, lössreichem Forstkies sind die Wuchsleistungen aller Baumarten hervorragend.
Für eine erfolgreiche Rekultivierung haben sich folgende Vorraussetzungen als wesentlich herausgestellt:
-- Die Planung der Wiedernutzbarmachung - Massendisposition, Oberflächengestaltung, Verkippung rekultivierungsfähiger Substrate - ist vom ersten Moment Teil der bergmännischen Planungen.
-- Zur Vermeidung wasserstauender Schichten wird die Rohkippe mit einer sandigen oder kiesigen Drainageschicht abgedeckt.
-- Als rekultivierungsfähige Substrate werden die obersten Schichten des anstehenden gewachsenen Bodens in geeigneter Mischung selektiv gewonnen und - unter Vermeidung von Verdichtungen und ohne Zwischenlagerung - auf der Rohkippe aufgebracht.
-- Für die forstliche Rekultivierung werden die Klimaxbaumarten der Endbestockung unmittelbar gepflanzt.
-- Bei allen Wirtschaftsmaßnahmen hat der Schutz des Bodens vor Verdichtungen unbedingte Priorität.

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Die Forschungsstelle Rekultivierung


Die Forschungsstelle im Jüchener Ortsteil Hackhausen

Mit der Forschungsstelle Rekultivierung in Hackhausen bei Jüchen wurde ein gemeinsamer Raum für die vielfältigen, interdisziplinären Forschungen in der Rekultivierung geschaffen.
Wichtig für den Erfolg der Rekultivierung war und ist, dass in wissenschaftlichen Studien die ökologischen Auswirkungen der verschiedenen Vorgehensweisen immer wieder überprüft werden. Diese Zusammenarbeit aus Praxis und Theorie hat in der Rekultivierung eine lange Tradition. Seit Heuson — einer der Pioniere der Aufforstung von Tagebauhalden — 1947 seine langjährigen Erfahrungen in dem Buch „Die Kultivierung roher Mineralböden“ veröffentlichte, wurden unzählige Studien zu speziellen Problemen der Tagebaurekultivierung publiziert. Anfang der 1960er Jahre legten Wittich und Heide mit ihren Studien die Grundlage für die moderne Forstkiesverkippung. Seither wurden viele Aspekte der Bodenkunde, der Forstwirtschaft und der landwirtschaftlichen Bodennutzung sowie der natürlichen Wiederbesiedlung in den Aufforstungen und der neuen Feldflur untersucht. So war es bisher möglich, in einem andauernden Lernprozess die Verfahrensweisen der Rekultivierung ständig weiter zu verbessern.


Untersuchungsfläche: Seit vielen Jahrzehnten findet in der Rekultivierung ökologische Begleitforschung statt: wie hier auf der Sophienhöhe im Jahr 1985.

In der Forschungsstelle Rekultivierung sind in einer Bibliothek die vielen Diplomarbeiten, Dissertationen und Forschungsberichte verfügbar, die in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten erstellt wurden. Damit bekommen alle, die hier weiter forschen, die Möglichkeit, diese ansonsten nicht verfügbare “graue Literatur“ für ihre Arbeiten zu nutzen. Im Arbeitsraum kann das gewonnene Material ausgewertet werden, und die Messwerte können anschließend in die allgemeine Datenbank eingegeben werden. So stehen die Daten unmittelbar allen, die hier arbeiten, zur Verfügung. Die Ergebnisse werden in Seminaren dem Fachpublikum und der interessierten Öffentlichkeit präsentiert.
Die wesentlichen Aufgaben der Station dabei sind:
- Dokumentation : Erfassung der Daten in einem einheitlichen Format - vor allem für langfristige Untersuchungen, die in größerem Zeitabstand wiederholt werden
- Informationsaustausch : Zwischenergebnisse werden den Arbeitsgruppen bereitgestellt; regelmäßige Statusseminare
- Bereitstellung von Grundlagendaten: zur Verkippung und dem Alter der Flächen; Kartenmaterial; Klimadaten; vorliegende Untersuchungen; kontinuierliche Literaturrecherche
- Kommunikation: regelmäßige Vortragsveranstaltungen für die interessierte Öffentlichkeit
Mit dem Kölner Büro für Faunistik wurde ein unabhängiges Gutachter-Büro gefunden, das die Betreuung der Station übernommen hat und gleichzeitig kontinuierlich Untersuchungen in der rekultivierten Landschaft durchführt.
Die Forschungsstelle Rekultivierung ist eine Kooperation der RWE Power AG mit dem Kölner Büro für Faunistik.